KATEGORIE: Mode

DER REBELL – NONKONFORMISMUS VON BAD BOY BIS STÖRENFRIED

Rebellisch, das waren wir doch alle schon mal. Doch wer oder was ist eigentlich ein echter Rebell? Das Lexikon weiß, „Rebell“ bezeichnet jemanden, der sich an einem individuellen oder kollektiven Aufstand beteiligt, wahlweise als dessen Initiator. Interessant daran ist der Begriff Aufstand: Rebell stammt vom lateinischen rebellis, für „aufständisch“. Um wortwörtlich ein Aufständischer zu sein, darf man also nicht sitzenbleiben. Man muss etwas tun. Während der Terminus Rebell meist neutral wahrgenommen wird, ist Terrorist negativ besetzt, Freiheitskämpfer wiederum positiv. Alles eine Frage der Sichtweise – und Berichterstattung. Titulieren etwa Boulevardmedien einen berüchtigten Aus-der-Reihe-Tanzer aus Film, Musik und Popkultur als Enfant terrible, werden die Herzen gerne schwach.

Der Bad Boy hat nach wie vor nichts von seinem Reiz eingebüßt. Klar, jemand, der gegen die geltenden (gesellschaftlichen) Regeln verstößt, um seine Umgebung zu schockieren oder in Verlegenheit zu bringen, muss mutig sein. Und verspricht Abenteuer. Radikal aus dem Bestehenden auszubrechen und einen neuen Ansatz zu finden, das erfordert auch Kreativität. Doch wie schmal ist der Grat zur „Verhaltensoriginalität“? Wann hört der rebellische Bad Boy auf, sexy zu sein, und wird stattdessen zur Nervensäge?

Im Wesentlichen gibt es zwei Unterscheidungen. Es gibt den egozentrischen Störenfried, der will alle Macht für sich. Und es gibt den nomozentrischen Störenfried, dem eine andere Macht für alle vorschwebt. Man vergleiche auch Schillers Franz Moor, der sagt: „Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt.“ und den ikonischen Aufruf der Scherben: „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“

Sehen wir uns die Geschichte an, so gibt es in der Tat zahlreiche Beispiele für den kollektiven Aufstand zugunsten einer besseren Welt. Denn im Rausch des jugendlichen Idealismus konnte man die eigene egoistische Agenda schon mal hintanstellen. Wie weithin bekannt, entwickelte sich der Rock'n'Roll in den 50er Jahren zu einer rebellischen Ausdrucksform gegen konservative elterliche Moralvorstellungen. Die Kriegsschrecken lagen ein Jahrzehnt zurück, alles lief in geordneten Bahnen. Dann kam diese neumodische „Hottentottenmusik“, die jungen Herren trugen plötzlich die Haare lang, die jungen Fräuleins rauchten in der Öffentlichkeit – und die ältere Generation war befriedigenderweise entsetzt. Petticoat, Lederjacke, Kaugummi und Coca-Cola; alles, was aus Amerika kam, war stark und musste her. Angeheizt vom neuen rockigen Soundtrack kam es nicht selten vor, dass man sich im Kino oder Konzertsaal die Sessel um die Ohren schlug. Doch während sich die einen „Halbstarken“ schlicht von der Rebellionswelle mittragen ließen, lebten die anderen ihren Zorn darüber aus, dass sie aufgrund ihrer sozialen Herkunft beim Mitnaschen am begehrten amerikanischen Cake benachteiligt waren.

Und die elitäre dritte Gruppe, die Existenzialisten, verachtete das aggressive Gehabe generell und verbrachte ihre Zeit lieber damit, gewandet im schwarzen Rollkragenpullover verrauchte Jazz-Clubs aufzusuchen und über Sartre und Camus zu diskutieren. Ihre Rebellion spielte sich auf einer geistigen Ebene ab, als Nonkonformisten protestierten sie gegen den aufständischen Mainstream. Denn wie hieß es noch bei Sartre? – „Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein.“

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